***Sausage Party***

sparty kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Seth Rogen sieht „Sausage Party“ als eine Art dunkle Version eines Disney-Films. Seine Überlegung war, dass die Menschen sehr gerne ihre Emotionen auf leblose Dinge wie Spielzeug oder ähnliches übertragen.
 
Darum fragte er sich, wie es wohl wäre, wenn man das auch mit Nahrungsmitteln tun würde. Dabei wurde ihm schnell klar, dass das ziemlich abgedreht wäre. Aber was dann letztlich daraus wurde, hätte sich wohl niemand vorstellen können – ein Animationsfilm, wie er subversiver nicht sein könnte.
 
Die Götter müssen verrückt sein
 
Im Supermarkt singen die Nahrungsmittel jeden Morgen das Lied vom Großen Jenseits. Denn dorthin glauben sie zu kommen, wenn die Götter – Menschen – sie auserwählen, in ihren Warenkorb packen und mit nach Hause nehmen. Was sie dort erwartet, wissen sie nicht, aber sie glauben an das Paradies.
 
Als ein Würstchenpäckchen von einer Göttin gegriffen wird, fällt Frank raus. Ebenso wie das Brötchen Brenda, auf das Frank schon immer heiß war. Beide bleiben im Supermarkt zurück, aber damit bleibt ihnen auch ein Schicksal erspart, das nicht schlimmer als der Tod ist. Nein, es ist der Tod, denn in den Küchen dieser Welt werden Gemüse, Obst und Fleisch gehäckselt, geschnitten, zerkleinert, gekocht und gefressen.
 
Frank erfährt noch im Supermarkt davon, was wirklich Sache ist und beschließt, dass er alle anderen Lebensmittel warnen muss.

 
Sex & Gewalt
 
„Sausage Party“ ist kein Film für Kinder. Er ist ausgesprochen derbe. Mehr noch: Es gelingt ihm, mit Dingen davonzukommen, die bei einem Realfilm niemals das Licht einer Leinwand erblickt hätten. Denn was hier an Sex und Gewalt geboten ist, sucht wirklich seinesgleichen.
 
Es gibt eine Szene, die könnte direkt aus einem Horrorfilm sein. Teile davon konnte man schon im Trailer sehen. Es ist die Ankunft der Nahrung in der Küche. Was dann passiert, ist so inszeniert, dass Erinnerungen an die übelsten Torture-Porn-Filme der letzten Jahre aufkommen. Aber die sind nichts verglichen mit dem, was hier den liebenswerten Lebensmitteln angetan wird.
 
Das ist die eine Seite der Gleichung. Die andere ist der Sex. Nicht nur, dass mit dem Würstchen und mit dem Brötchen mit dem vieldeutigen Mund mehr als eindeutiger Symbolismus geboten ist, nein, hier gibt es sogar eine handfeste, ausgesprochen wilde Orgie. Eigentlich sollte die sogar acht Minuten lang sein, aber Rogen und Co. wurde dann klar, dass das zu viel des Guten gewesen wäre. So bleibt es bei einer deutlich kürzeren Szene, die aber deswegen nicht weniger wirkungsvoll ist. Hier wird gevögelt, was das Zeug hält.
 
Die amerikanische Freigabebehörde MPAA wusste darum nicht so recht, was sie mit dem Film anfangen sollte. „Kann man bei einem Würstchen davon sprechen, dass es einen Schwanz hat“, kommentierte Rogen das trocken.
 
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Wie ein Trip
 
Immer wenn man denkt, nun könnte man nicht noch einen draufsetzen, überrascht „Sausage Party“ doch wieder. Denn bis zum Finale hin steigert sich dieser wilde Trip ins Unermessliche, bis hin zu einem Epilog, der so gar nicht zum Rest des Films passen mag, aber in seinem zelebrierten Wahnsinn durchaus auch seinen Reiz hat.
 
Ob sich daraus ein Sequel spinnen lässt? Glaubt man Rogen, dann auf jeden Fall. Tatsächlich hat er noch genügend Ideen für eine Fortsetzung auf Lager. Aber auch für weitere Animationsfilme für Erwachsene. Die Animatoren haben sich um den Job geradezu gerissen, da sie mal etwas Derberes gestalten konnten nach Jahren, in denen Produkte nur für Kinder hergestellt worden sind.
 
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Fazit
 
„Sausage Party“ ist der witzigste Film des Jahres, aber auch einer, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist. Auf keinen Fall ist dies etwas für Kinder, dafür ist der subversive und sexuell-gewalttätige Aspekt der Geschichte viel zu ausgeprägt. Aber Erwachsene können hier richtig Spaß haben.

Einerseits, weil der Kontrast der Designs, die durchaus an Kinderfilme erinnern, mit dem Inhalt so wundervoll ist. Andererseits, weil der Streifen ausgesprochen originell ist und immer wieder mit neuen Überraschungen aufwartet.
 
 
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