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Kritik: Mission Impossible: Dead Reckoning 1

sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Nun kommt also die erste Hälfte von Teil Sieben dieser mittlerweile auch bereits siebenundzwanzig Jahre alten Filmreihe ins Kino. Mit welchen Stunts will Tom Cruise wohl diesmal die Welt retten?
 
It’s my job to use you
 
Ethan Hunt und sein Team sind wieder mal oder immer noch untergetaucht, eine künstliche Intelligenz droht die Welt zu beherrschen, sämtliche Regierungen – also auch die amerikanische setzt alles daran den Schlüssel zu dieser KI in die Finger zu bekommen, ein Feind aus Ethans Vergangenheit taucht auf und ehrlich gesagt muss ich nicht mehr über die Handlung des Films erzählen, weil im Trailer ohnehin bereits alles erklärt wurde.
 
Über den Vorgänger „Mission: Impossible: Fallout“ meinte ich 2018, wir bekämen hier „einen hervorragenden Film aus dem neuen Sub-Genre „Agenten-Tourismus-Action-Blockbuster“ zu sehen.“. Und dem ist für Teil Eins von Teil Sieben nur wenig hinzuzufügen. Die „Mission: Impossible“-Reihe hat sich in den letzten Jahren in mancher Hinsicht zur besseren der beiden langjährigen Agentenfilmserien gemausert. So sind die Macher der „Mission: Impossible“-Filme nicht erst seit Teil vier viel geschickter darin, die verschiedenen Schauplätze rund um die Welt zu nutzen.
 
 
Selten zuvor wurde Rom im Film so großartig und nie zuvor so spannend in Szene gesetzt. Die in Rom spielende Sequenz in „Fast & Furious 10“ war austauschbar und lächerlich und hätte überall auf der Welt gedreht werden können. Während der entsprechenden Szenen in „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins“ hält es einen kaum auf dem Kinositz. Und anschließend möchte man am liebsten sofort eine Reise in die ewige Stadt buchen.
 
Alle möglichen Filme spielen zumindest teilweise in Venedig: zeitlose Meisterwerke wie David Leans „Traum meines Lebens“ oder „Tod in Venedig“ und „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ aber auch Blockbuster wie „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ oder „Spider-Man: Far From Home“. Selbst dieser andere Geheimagent, der immer wieder die Welt rettet, war bereits dreimal in Venedig: in „Liebesgrüße aus Moskau“, „Moonraker“ und in „Casino Royale“. Aber war James Bond jemals auf einem Rave im Palazzo Ducale? Nö, war er nicht. Ethan Hunt aber schon.
 
Wie auch schon der Vorgänger, wurde auch dieser Film wieder an Orten gedreht, die in der Handlung gar nicht vorkommen. Weil die österreichischen Alpentäler einfach nicht spektakulär genug aussehen, wurde eine dort spielende Sequenz eben in Norwegen gedreht. Und in England. Also springt Tom Cruise mit dem Motorrad von einer Felsenklippe in Norwegen um mit dem Fallschirm in einen Zug zu krachen, der dann von einer gesprengten Brücke in England baumelt.
 
01 ©2023 Paramount Pictures02 ©2023 Paramount Pictures03 ©2023 Paramount Pictures04 ©2023 Paramount Pictures
 
Und das führt uns dann auch zu dem leidigen Thema der Stunts. Ja, die Stunts sind großartig. Aber wir von cinepreview wissen, unsere Leser*innen sind zu anspruchsvoll und haben zu viel Ahnung vom Filmgeschäft, um sich von der ewigen, alten „Tom-Cruise-hat-alle-seine-Stunts-selbst-gemacht“-Leier beeindrucken zu lassen. Die meisten Stunts wurden auch für „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins“ (ich nenne den Film von jetzt ab „M:I-DRTE“) im Studio vor Blue-Screen gedreht. Und das ist gut so.
 
Auch beim oft kolportierten den Sprung mit dem Motorrad wurde mit CGI nachgearbeitet. Und auch das ist gut so. Man muss sich fragen, ob Tom Cruise kein besseres Mittel gegen seine Midlife-Crisis findet, als für teures Geld gefährliche Szenen zu drehen, die man besser und einfacher im Computer generiert hätte. Eine der spannendsten Action-Szenen spielt in einem über einer Schlucht baumelnden Eisenbahnwagon. Die Szene würde sicher nicht noch spannender, wenn die bezaubernde Hayley Atwell während der Dreharbeiten tatsächlich beinahe von einem Klavier erschlagen worden wäre. Diese Szene ist spannend so wie sie ist, weil Christopher McQuarrie nach Teil 5 und 6 wieder im Regiestuhl sitzt und das Drehbuch geschrieben hat und der Mann genau weiß was er tut.
 
„M:I-DRTE“ liefert aber nicht nur knallharte Action. In Zeiten, in denen ältere Herren wie Liam Neeson oder Sylvester Stallone in ihren Rollen kaltblütig morden als wäre rein gar nichts dabei, wirkt es erfrischend, wenn ein Actionheld gesunden Respekt vor dem Leben zeigt. Hier trägt dieser Respekt sogar zur Handlung bei. Auch die tiefe Freundschaft innerhalb des IMF-Teams, die in den Filmen vermittelt wird, bildet einen wohltuenden Gegensatz zu den soziopathischen Tendenzen eines gewissen britischen Geheimagenten. In einer kurzen Szene in Venedig erleben wir sogar einen Moment echter Intimität.
 
05 ©2023 Paramount Pictures06 ©2023 Paramount Pictures07 ©2023 Paramount Pictures08 ©2023 Paramount Pictures
 
An einigen Stellen ist der Film richtig witzig. Eine Szene mit einem alten Fiat 500 ist leider zu eindeutig als komische Einlage erkennbar. Aber vor allem die Figur des Benji liefert wieder einige geistreiche Dialogzeilen. Ein originelles Versteckspiel auf einem Flughafen ist für einige Lacher gut.
 
We cannot escape the past
 
Natürlich ist „M:I-DRTE“ weit davon entfernt ein Meisterwerk zu sein. Dazu ist der Film eindeutig zu lang. Viel zu lang. Oh Gott, ist der Film lang. Haben Christopher McQuarrie und Tom Cruise ihrem bemitleidenswerten Cutter Eddie Hamilton („Top Gun: Maverick“) die Schere versteckt? Ich habe selten einen Film gesehen, der so deutlich von einigen Kürzungen profitiert hätte. Eine halbe Stunde kürzer wäre der Film deutlich spannender ausgefallen. Eine Dreiviertelstunde kürzer hätte er ein Höhepunkt der Serie werden können.
 
Dabei wäre es ein Leichtes gewesen diesen Film zu kürzen. Einfach vier von fünf Szenen mit erklärendem Dialog entfernen. So kompliziert ist die Handlung auch wieder nicht. Dieser Film ist so lang, dass die Credits erst nach einer halben Sunde eingeblendet werden. Nach einer Schießerei in der Wüste kommt die Handlung erstmal komplett zum Stillstand wenn hochrangige Geheimdienstleute einander lang und breit erklären, worum es geht und was das IMF ist. Dieses Meeting der Erklärbären dauert vorsichtig geschätzt drei Jahre und endet erst mit dem Auftauchen einer Figur, die sich dann nochmal Offensichtliches erklären lässt.
 
Und diese Erklärwut lässt während des gesamten Films nicht nach. Jede Figur erklärt jeder anderen Figur ständig die Handlung. Weite Strecken bestehen aus Erklärungen. Oder wir sehen Tom Cruise rennen, was für Leute die schon mal einen Film mit ihm gesehen haben auch nichts Neues ist. Teilweise erklären andere Figuren die Handlung, während Tom Cruise rennt. Es gibt sogar erklärenden Kommentar aus dem Off. Dieser Film ist hart an der Grenze zum Hörspiel.
 
Man fragt sich, warum die Macher so wenig Vertrauen in ihre Schauspieler*innen haben und sie ständig alles erklären lassen, statt die Darsteller*innen die Handlung einfach darstellen zu lassen. Denn die Besetzung ist erstklassig. Ving Rhames (als einziger neben Tom Cruise seit Teil Eins dabei) macht was er immer macht und sehr gut kann. Simon Pegg ist seit Teil Drei längst in seine Rolle hineingewachsen. Die großartige Rebecca Ferguson wirkt nach Teil Fünf und Sechs wieder ebenso bedrohlich wie zutiefst menschlich und immer überzeugend.
 
Auch die Neuzugänge machen ihre Sache gut, bekommen aber einfach nicht genug zu tun. Pom Klementieff („Mantis“ aus „Guardians of the Galaxy Vol. 2“) spielt eine Nebenrolle, die leider zu klein ausgefallen ist. Der stets verlässliche Shea Whigham („Joker“, „Kong: Skull Island“) spielt eine Rolle, wie er sie schon ein Dutzend Male gespielt hat. Tom Cruise’s alter Gegenspieler aus „Tage des Donners“, Cary Elwes, ist hier ein reiner Stichwortgeber.
 
Hayley Atwell („Marvel’s Agent Carter“) wirkt zauberhaft, aber im Vergleich zu Rebecca Ferguson ein bisschen farblos. Auch ihr gibt das Drehbuch leider viel zu wenig zu tun. Das Gleiche gilt für Esai Morales („La Bamba“) der eine absolut generische Schurkenfigur abgibt. Vanessa Kirby versucht nach Teil Sechs nochmal einen Vamp darzustellen und scheitert wieder.
 
Was soll man über die Leistung von Tom Cruise berichten? Der Mann ist mittlerweile über sechzig und zeigt eine manische Energie, wie man sie von keinem Dreißigjährigen erwarten würde. Er verkörpert nicht einfach nur Ethan Hunt. Tom Cruise IST die „Mission: Impossible“-Reihe. Er muss übrigens eine neue … nennen wir es „Betreuung“ für sein Gesicht gefunden haben, weil er im Vergleich zu Filmen der letzten Jahre beinahe wie ein echter Mensch aussieht. Wie Sechzig sieht er natürlich nicht aus. Wie Sechzig wird Tom Cruise niemals aussehen. Niemals.
 
Fazit
 
Tom Cruise rettet wieder die Welt. Oder wenigstens rettet er sie halb, weil wir ja nur die Hälfte des siebten Films zu sehen bekommen. Teil Zwei von Teil Sieben folgt 2024. Und man kann nur hoffen, dass dieser Film dann nicht wieder knapp drei Stunden dauert.
 
 
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