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Kritik: The Zone of Interest

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Autor: Peter Osteried
 
Jonathan Glazer ist ein Filmemacher mit überschaubarem Oeuvre, weil er sich für jedes seiner Werke sehr viel Zeit lässt. Er bedenkt jedes Element, feilt schon im Vorfeld immens lange und hat eine genaue Vision, was er auf die Leinwand bringen will.
 
Mit THE ZONE OF INTEREST hat er sich eines unbequemen Themas angenommen. Er erzählt die Geschichte von Auschwitz-Lagerkommandant Rudolf Höß und seiner Familie, indem er die Banalität des Bösen in den Fokus rückt.
 
Eine normale Familie?
 
Erzählt wird von einer scheinbar gewöhnlichen Familie, die Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland lebt. Ein Mann, eine Frau, fünf Kinder und ein Hund leben in einem schönen Haus mit Garten und Pool. Im Mittelpunkt stehen der häusliche Alltag, die Hausarbeiten und familiäre Streitigkeiten, die jeder nachempfinden kann.
 
Das Besondere an dieser Familie ist natürlich, dass es sich bei dem Patriarchen um Rudolf Höss handelt, den Mann, der die Schrecken im Konzentrationslager Auschwitz überwachte und anordnete. Höss, dargestellt von Christian Friedel, wird im Film als typischer Arbeiter gezeigt. Er sitzt in langweiligen Sitzungen, äußert Frustrationen über seine Vorgesetzten und kommt nach Hause in ein Familienleben, das zwar erfüllend ist, aber auch Konflikte und Probleme mit sich bringt. Es ist eben ein deutsches Leben in der Zeit des Dritten Reichs.
 
 
Reminiszenzen
 
Wenn man THE ZONE OF INTEREST sieht, fühlt man sich an einen heutzutage eher unbekannten deutschen Film erinnert: AUS EINEM DEUTSCHEN LEBEN aus dem Jahr 1977. Der Film erzählte die Lebensgeschichte von Rudolf Höß, der hier von Götz George gespielt wurde. Dies war auch kein gewöhnlicher Kriegsfilm, auch nicht zwangsläufig einer über das Lagerleben, sondern vielmehr wollte er aufzeigen, wie eine typisch deutsche Biographie jener Zeit aussehen konnte.
 
In diese Kerbe schlägt auch THE ZONE OF INTEREST. Er zeigt nicht das Grauen im Lager. Er ist im Grunde ein absolut zurückhaltender Film, der ein mehr oder minder interessantes Familienleben zeigt. Er macht das aber auf eine sehr eindringliche und ungewöhnliche Art und Weise. Indem das Bild eines zeigt, der Ton jedoch etwas anderes transportiert.
 
Das Grauen ausblenden
 
Der Film stellt den alltäglichen Kampf von Höss' häuslichem und beruflichem Leben in einen starken Kontrast zum Ausmaß des Bösen, das sich rund um ihr Heim herum abspielt. Er bietet eine Perspektive darauf, wie selbst die schuldigsten Menschen mentale Barrieren zwischen sich und dem Schrecken errichten können, den sie verursachen.
 
Der Einsatz von Ton ist das entscheidende Element, das den Film so ernüchternd, aber auch zugleich so erschreckend macht. Während der Film mit oft wunderschönen Bildern arbeitet und unglaublich zurückhaltend ist, ist die Geräuschkulisse gänzlich anders. Ständig hört man Schüsse, Schreie und ein leises industrielles Surren.
 
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Die Geräusche mögen harmlos erscheinen, aber sie stammen von den Öfen, die für das Verbrennen der Leichen benutzt wurden. Diese Geräusche durchdringen jedes Bild, und nur vereinzelt sind sie in Form von lodernden Schornsteinen und vorbeifahrenden Zügen gerade so optisch wahrzunehmen.
 
Der Film trennt die Figuren und den Zuschauer von den Bildern, die am häufigsten mit Filmen über den Holocaust in Verbindung gebracht werden. Damit erzählt er zwei sehr widersprüchliche Geschichten.
 
Umso bemerkenswerter ist allerdings, wenn man nach Kinogang feststellt, dass man irgendwann die Hintergrundgeräusche ebenfalls ausgeblendet hat – so wie die Familie im Film.
 
Fazit
 
THE ZONE OF INTEREST ist mit Christian Friedel und der für ANATOMIE EINES FALLS oscarnominierten Sandra Hüller exzellent besetzt. Er hat bereits mehr als 50 Preise bei Festivals und Preisverleihungen eingeheimst und geht bei der Oscar-Verleihung mit fünf Nominierungen ins Rennen. Er ist sowohl als bester Film als auch als bester internationaler Film nominiert. Jonathan Glazer ist für die Regie und das beste adaptierte Drehbuch nominiert. Die Verleihung findet am 11. März statt.
 
 
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